Breathwork & Gewahrsein – Wie sie dein Nervensystem regulieren und deinen Alltag stärken
- Ina Marino
- vor 6 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Unser Nervensystem ist wie ein feines Gewebe, dass jede Erfahrung, jede Begegnung und jede Emotion durchdringt. Es ist nicht nur dafür zuständig, ob wir uns sicher oder bedroht fühlen – es prägt auch, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen. Ein reguliertes Nervensystem ermöglicht es uns, präsent zu sein, in Beziehung zu treten und unsere Energie frei fließen zu lassen. Doch viele Menschen leben in einem Zustand dauerhafter Anspannung. Chronischer Stress, emotionale Verletzungen oder frühkindliche Prägungen halten den Körper oft in Alarmbereitschaft, selbst wenn objektiv keine Gefahr besteht. Genau hier setzen Breathwork und Gewahrsein an: Sie öffnen Räume, in denen Heilung, Regulation und Verkörperung möglich werden.
Breathwork – Atem als Tor zur inneren Balance
Der Atem ist nicht nur ein physiologischer Vorgang, er ist auch ein Spiegel unseres inneren Zustands. Wir kennen das alle mehr oder weniger. Schnellere kurze Atemzüge beim Fernsehen, oder im Gespräch mit dem Chef oder gar mit den Frend:innen. Im Bett, du willst schlafen und kannst nicht runterfahren, da der Atem und der Puls sich nicht beruhigen. Flacher, unbewusster Atem geht meist mit innerer Unruhe oder Erstarrung einher, während tiefer, bewusster Atem das Nervensystem beruhigt und den Körper signalisiert: Du bist sicher. Indem wir unseren Atem beobachten und bewusst lenken, treten wir in einen Dialog mit unserem autonomen Nervensystem. Tiefe, rhythmische Atemmuster – wie sie etwa in der verbundenen Atmung oder im sanften Box-Breathing geübt werden – aktivieren den Parasympathikus, senken die Herzfrequenz und bauen Stresshormone ab. Gleichzeitig öffnen sie Räume im Körper, in denen angestaute Emotionen und alte Spannungen an die Oberfläche kommen und sich lösen können.
Dein Atem ist dabei wie eine Brücke zwischen Körper und Geist. Neurowissenschaftlich betrachtet, steht er in direkter Verbindung zum autonomen Nervensystem. Durch bewusste Atemführung wird der Parasympathikus aktiviert – der Zweig, der für Ruhe, Verdauung, Heilung und Regeneration zuständig ist. Gleichzeitig sinkt der Spiegel der Stresshormone, die Herzfrequenz beruhigt sich, und der Körper bekommt das Signal: „Es ist sicher.“ Atemübungen helfen uns, Spannungen zu lösen, die oft unbemerkt über Jahre hinweg gespeichert wurden. Das Ergebnis ist nicht nur mehr Ruhe, sondern auch neue Klarheit und Lebendigkeit, weil jede Zelle wieder freier mit Sauerstoff versorgt wird.
Ich stelle dir hier ein paar kleine Übungen vor, die du immer wieder zu jeder Zeit tun kannst, um dir dessen bewusster zu werden, wann sich dein Atem verändert.
Praxistool 1 – Atemwellen üben: Lege dich auf den Rücken, eine Hand auf den Bauch, die andere auf das Herz. Atme tief in den Bauch, so dass sich die untere Hand hebt. Dann weiter in den Brustkorb, schließlich ganz sanft wieder aus. Spüre, wie sich dein Körper mit jeder Einatmung weitet und mit jeder Ausatmung entspannt. Bleibe für 5–10 Minuten in diesem Wellenatem und beobachte, wie dein Nervensystem sich beruhigt. Mache dir dazu eine schöne Musik an und zähle beim Ein- und Ausatmen immer bis 2, oder 3. Mit der Zeit kannst du die Frequenz dehnen und dich dabei wahrnehmen, was in dir geschieht.
Gewahrsein – Die Kunst, einfach da zu sein
Während der Atem uns direkt mit dem Körper verbindet, öffnet Gewahrsein die Tür zur inneren Welt. Gewahrsein bedeutet, präsent zu sein, ohne zu bewerten oder zu verändern, mit freundlicher Aufmerksamkeit wahrzunehmen, was gerade geschieht – im Körper, im Atem, in den Gedanken und Emotionen. Gewahrsein, oder Awareness geschieht nicht in der Horizontalen, zwischen deinen Ohren, sondern in der Vertikalen, in deinen Körper. Es geht nicht darum, etwas zu verändern oder zu kontrollieren, sondern vielmehr darum, einen Raum von Präsenz zu kultivieren, in dem alles da sein darf. Wenn wir mit Gewahrsein praktizieren, geben wir unserem Nervensystem eine tiefe Erfahrung von Sicherheit: Ich darf fühlen, was da ist. Ich darf atmen. Ich bin hier.
Diese Form der inneren Begleitung ist besonders wertvoll, wenn alte Muster auftauchen – etwa der Impuls, sich zurückzuziehen, zu funktionieren oder zu kämpfen. Indem du diese Tendenzen bewusst wahrnimmst, ohne sofort zu reagieren, es entsteht ein kleiner Abstand – ein Moment von Freiheit, in dem neue Möglichkeiten wahrgenommen werden können. Es erfährt, dass es nicht fliehen oder kämpfen muss, sondern einfach sein darf. Mit der Zeit entsteht dadurch innere Stabilität und die Fähigkeit, Stressreaktionen schneller zu erkennen und sanft in Balance zurückzuführen.
Praxistool 2 – Gewahrsein im Körper verankern: Setze dich bequem hin und schließe die Augen. Nimm deinen Atem wahr, ohne ihn zu verändern. Spüre, wo dein Körper den Boden oder den Stuhl berührt. Vielleicht bemerkst du Gedanken oder Gefühle. Benenne innerlich, was du wahrnimmst, zum Beispiel: „Da ist Enge in der Brust“, oder „Ich spüre Wärme in den Händen“. Verweile für 5 Minuten in dieser offenen, freundlichen Beobachtung.
Alltag als Übungsfeld
Breathwork und Gewahrsein entfalten ihre Wirkung nicht nur auf der Yogamatte oder im stillen Raum, sondern gerade im Alltag. Wenn du morgens bewusst atmest, bevor du dein Handy in die Hand nimmst, wenn du in stressigen Momenten innehältst und drei tiefe Atemzüge nimmst, oder wenn du abends deinen Körper spürst, bevor du ins Bett gehst – dann beginnt sich dein Nervensystem neu zu orientieren. Es lernt: Es ist sicher, zu fühlen. Es ist sicher, zu atmen. Es ist sicher, zu leben.
Diese tägliche Praxis schenkt dir Gelassenheit in schwierigen Situationen, mehr Klarheit und Fokus, und eine tiefere Verbindung zu dir selbst. Du wirst resilienter gegenüber Stress, triffst klarere Entscheidungen und begegnest anderen Menschen mit mehr Präsenz. Und vielleicht das Wichtigste: Du erinnerst dich daran, dass du ein fühlender, atmender, lebendiger Mensch bist – nicht ein reibungslos funktionierendes System.
Schon wenige Minuten genügen, um diese Qualität zu kultivieren. Ein bewusster, tiefer Atemzug am Morgen, ein kurzes Wahrnehmen deines Körpers zwischen zwei Terminen oder drei langsame Atemzüge vor dem Einschlafen können dir den Zugang zu Ruhe und innerer Kraft öffnen. Mit der Zeit wird aus diesen kleinen Gesten eine Haltung: ein Leben, das leichter, klarer und freier fließt.
Um dies im Alltag zu verankern, biete ich Räume an, in denen du dich dieser Tools widmen kannst. Es ist eines, zu wissen, was Atempraxis und Gewahrsein ausrichten können und ein anderes, diese wirklich in den Alltag zu integrieren, in deine tägliche Routine.
Wie kann das aussehen?
Du kannst an Gruppen-Zoomsitzungen teilnehmen, ich biete immer wieder monatlich 3 Abende an, die aufeinander aufbauen und dich in die Technik der Atempraxis einführen.
Dieses Jahr biete ich im September einen ganzen Monat an, mit einer kleinen Gruppe von Montag bis Freitag von 20-21:15h zu atmen (via Zoom). Du lernst deine inneren Atemräume kennen und diese getrennt oder im Verbund zu nutzen. Gleichzeitig tauchen wir in einen tiefen Transformationsprozess ein und laden Fülle und Freiheit ein.
Dich beschäftigt ein Thema, oder du spürst, da geht noch mehr, dann hast du die Möglichkeit mit mir in Einzelsitzungen vor Ort oder via Zoom dich tiefer mit dir auseinanderzusetzen.
Was hast du davon:
Dein Atemraum wird weiter, du wirst ruhiger und entspannter. Dein innerer Atemraum entspannt sich.
Du lernst dich besser zu fokussieren und bleibst in stressigen Situationen ruhiger.
Dein Nervensystem kann sich allmählich neu strukturieren und nicht gleich auf Alarmbereitschaft umstellen.
Themen aus der Vergangenheit haben die Möglichkeit in einem entspannten Rahmen betrachtet und gefühlt zu werden.
Und vieles mehr.
Mein persönliches Fazit ist: Durch die Gewahrseinspraxis, die tiefere Erkundung plus Breathwork kann ich stabiler in mir ruhen. Ich bin innerlich viel gelassener im Stress, ich schlafe besser.
Es ist ein Weg, wie so viele und jede Person braucht einen anderen, doch das Ziel ist das Gleiche.
Geborgenheit, Vertrautheit, Verbindung, Liebe, Licht und Glück.
Du bist willkommen, so wie du bist.
Herzlichst
Deine Ina Fabijenna
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