In der Stille eintauchen



Es gibt diese Momente am Tag, kurz nach dem Aufwachen, wenn es noch still ist.

Ein langsames Aufwachen, Erinnerungsfetzen an den letzten Traum und die Stimmung, in der dieser Traum geträumt wurde und langsam in den Wachzustand eintaucht.

Ein Tagtraum, der uns für einen kleinen Moment in eine andere Dimension mitnimmt und uns daran erinnert, wer wir wirklich sind.

Kurz vor dem Einschlafen, wenn die Gedanken noch im Alltäglichen verweilen, jedoch die andere Seite bereits lockt mit ihren süßen kleinen Koseworten und uns schon mitnimmt in ihre Welt.


Dazwischen liegt der Raum der Stille. Hin und wieder entstehen weitere Räume und wir erlauben uns sich diesem Element der Stille, des Eintauchens in das Ich-bin hinzugeben, bevor wir uns wieder mit einem Wimpernschlag in die „Realität“ zurück beamen. Dieses sanfte Schaukeln der geträumten Gedanken, die nicht der Wirklichkeit angehören. Sie sind nicht im Verstand angesiedelt, sie schweifen weit weg und führen uns an einen Ort, tief im Inneren, oder weit im Außen. Es ist ein Beleben unserer Seele und geschieht scheinbar mühelos, wenn wir uns nicht im alltäglichen Allerlei verlieren, sondern beim Durchwandern eines Waldes, am See mit ruhendem Blick darauf verweilend oder in einer Badewanne liegend, dem Genuss des Schaumes, der Wärme und des Duftes erliegend uns hinwenden und darin ruhen und erlauben, einen kleinen Spalt zu erhaschen und uns unseres Selbst gewahr werden.


Am Morgen, im ersten Moment des sich gewahr Werdens, umhüllt vom liebevollen Geruchs des Schlafes und der Wärme innerhalb und außerhalb unseres Seins, sind wir frei von allem, unschuldig in unserem Sein. Liegen noch unschuldig zwischen den Welten, frei von allen irdischen Dingen und Erwartungen.

Und plötzlich, aus heiterem Himmel ist Schluss mit der Stille.


Schon schrillen die ersten Gedanken an den neuen Tag. Was darf getan werden, an wen zuerst denken, was anziehen, was Essen, wo sind die Pausen? So trennt sich der Geist, der Verstand vom Rest seines Seins und wähnt sich in dem Glauben real und echt zu sein.


Da ist es vorbei. Der Raum, in dem wir uns unser selbst gewahr sein können und in uns ruhen. Ein Rauschen durch den Tag, um all den Dingen gerecht zu werden, die glauben, getan werden zu müssen.

„Must have“.

Ganz dringend.

Weiterkommen.


Diese jetzige Zeit ist von Schnelligkeit und immer-weiter-gehen geprägt. Hier noch einkaufen, dort noch ein Seminar buchen, online geht alles. Die Tage sind durchgetaktet mit Terminen, die wir uns selbst zugeschrieben haben, der Terminkalender wird von Minute zu Minute voller.

Ein Hetzten entsteht und wir vergessen, was am Morgen noch so zauberhaft, süßduftend und lieblich uns lockte, um noch einmal kurz liegen zu bleiben. Durchzuatmen und für sich zu sein.


Diese Stille, die wir alle ersehnen, ist so wichtig, denn in ihr treffen wir die wichtigste Person in unserem Leben. Sie ist die, für die es sich lohnt stark zu machen, für die es sich lohnt, immer wieder den Spiegel des Lebens, des Herzens zu polieren, jeden Tag.


Uns selbst.


Ungeschminkt sich dem Selbst stellen. Im Betrachten des eigenen Gegenübers wahrzunehmen wo die hellen und die dunklen Stellen sind, wie ich mein Inneres Tuch in die Hand nehme und beginne mein Spiegelbild zu polieren, um dann die innere Schönheit des Diamanten zu erkennen, der wir wirklich sind.


Wir könnten in uns hinein spüren und genau lauschen, was im Moment wirklich wichtig ist. Wie geht es mir gerade jetzt, in diesem Moment?


Was sind die Krankheiten unserer Zeit?

Jede Zeit hat ihre eigene Chance der Heilung, denn nichts anderes ist Krankheit. Ein Zeichen, dass wir uns von uns selbst abgewendet haben und nicht mehr in der Einheit von Körper-Seele-Geist leben.

Es ist eine knallharte Erinnerung einer dringenden Pause, des Stopp-machen. Hier wird deutlich von einer Instanz in uns aufgezeigt, dass wir nicht mehr in Verbindung mit unserem Selbst, dem Unbewußten, der Seele, vielleicht auch Seelenplans stehen.

Krankheit kann eine Chance sein, sich mit sich selbst zu beschäftigen, ohne Ablenkung vom Außen, ein Weg, der uns selbst hinterfragt und uns eine Zeit gibt, des Träumens, des Innehalten, der inneren Prüfung, ob alles noch nach dem Plan läuft, den wir uns für dieses Leben ausgesucht haben.


Diese Zeit kann uns daran erinnern, wie schön es ist, sich Zeit für die Stille zu nehmen, um nach Innen zu lauschen, sich dem Herzen und dem Verstand zu öffnen und sie in ihrer Kokreation zu bestärken für ein größeres Projekt, des ICHs zu sein. Gemeinsamkeit.


Gemeinschaft ist nicht nur in einer Gruppe, Arbeitsgruppe, im Außen zu finden. Wir selbst sind eine Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft braucht hin und wieder Support und Rückzug, um sich dessen bewusst zu werden und sich daran zu erinnern, miteinander zuarbeiten und nicht in die Trennung zu gehen.


Schaffen wir dies. Dann kann auch die Trennung im Außen sich auflösen, denn wir spüren, wie wir alle miteinander verwoben sind und eine riesengroße Schnittmenge haben. In allem, was um uns herum existiert.


Genießt die Stille und nehmt immer wieder Kontakt zu euch auf.








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